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Mainzer Gutenberg-Bibeln werden digitalisiert -
Kooperation mit japanischer Universität
Ein zehnköpfiges Forscherteam der Keio-Universität Tokio digitalisiert derzeit die drei Bände der beiden Mainzer Gutenberg-Bibeln. Bis Ende November sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Gutenbergs Hauptwerk wird dann für die Wissenschaft auf CD-ROM zugänglich sein.
Anlass für das in Japan begonnene Projekt war die einzige in Ostasien befindliche Gutenberg-Bibel, die in der Keio Universität bewahrt wird (das früher in Kalifornien befindliche Dohenyi-Exemplar). Das "Humanitis Media Interface Projekt" der Keio Universität, die sich dem Austausch mit dem Westen verpflichtet sieht, bemüht sich speziell um die Erforschung von Gutenbergs Drucken mit neuesten technischen Mitteln.
Teamleiter Professor Andrew Annour hatte in Mainz Kontakt zum Gutenberg-Museum
aufgenommen. Die Digitalisierung der Bibelexemplare in Tokio und der Cambridge University Library in Cambridge, GB, waren vorausgegangen. Die Direktorin des Museums begrüßt das Projekt als eine Möglichkeit vergleichender Forschung, zugleich aber auch als eingehende Dokumentation der Bibeln.
Von einer SHD (Super High Definition)-Kamera, aufgehängt in einem speziell entworfenen Stahlgerüst, wird Seite für Seite der drei Mainzer Bibelbände aufgenommen. Zwei Tage je Band benötigen die japanischen Experten zum "Einrichten", innerhalb drei Sekunden nach dem "Klick" erscheint das Bild gestochen scharf auf den Computer-Bildschirmen.
"Wir arbeiten anders, als bei Verfilmung, die ohne für das Buch schädliche starke Lichtquellen nicht auskommen', erklärt Armour.
Lautlos übersetzen die Computer die digitalen Aufnahmen der zwischen 1452 und 1454 in Mainz gedruckten Seiten in ihre "Sprache". Das Ergebnis wird auf einer CD-ROM festgehalten. So können Vergleiche mit anderen Bibeln angestellt werden. Durch Übereinanderblenden einzelner Zeilen auf dem Bildschirm werden noch die kleinsten Veränderungen während des Satzes sichtbar. Arbeit mit den verschiedenen Bibeln wird ermöglicht, ohne daß die Forscher die Bücher selbst berühren müssen.
Im Handel zu erwerben sein wird die "CD-Bibel" nicht. Sie wird allein der Forschung vorbehalten bleiben. Und selbst wenn sie ins Internet gestellt wird: "Wir haben Sicherungen, die verhindern, dass man sich die Bilder runterladen kann', erklärt Projektleiter Professor Armour.
Es ist zu erwarten, dass von der digitalen Aufnahme der Gutenberg-Bibeln und anderer Frühdruckwerke des 15. Jahrhunderts ein großer Schub für die Forschung ausgehen wird. Ebenso wird die universitäre Lehre in diesem Bereich und die Präsentation für die Öffentlichkeit in aufsehenerregender Weise erleichtert.
Mainz, den 24. November 1999
Dr. Eva-Maria Hanebutt-Benz
(Direktorin des Gutenberg-Museums)
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