 |
Gutenberg-Bibel
Erstes
gedrucktes Buch der Welt - "Longseller"
Bibel
Sie gilt als ein
Schlüsselsymbol des technischen Fortschritts in
der Menschheitsgeschichte: die 42zeilige
lateinische Bibel des Henne Gensfleischzur Laden,
genannt Johannes Gutenberg. Von ihr ging eine
Flut technischer Neuerungen aus, die bis in die
Gegenwart hineinwirken und letztlich das
ermöglicht haben, was Sie jeden Morgen in der
Hand halten: Ihre Tageszeitung.
Gut drei Jahre arbeitete Gutenberg in seiner
Mainzer Druckerei an der Herstellung der Bibel.
Sein revolutionäres Verfahren, mit Hilfe
beweglicher Lettern und einer Presse überhaupt
Texte zu "drucken", anstatt sie wie
bisher mit der Hand zu schreiben, war gerade
ausgereift und seit wenigen Jahren von ihm selbst
erprobt worden.
Für ihn muß das "Projekt Bibel" ein
Mammutvorhaben gewesen sein: Nicht nur die
Bedeutung des Buches - damals wie heute -,
sondern auch der Umfang, der ihn erwartete!
Heute, nach mehr als 200 Jahren
Gutenberg-Forschung, weiß man, daß sechs
Schriftsetzer und etwa 12 Drucker und weiteres
Hilfspersonal Gutenberg zur Hand gegangen sein
müssen, die Werkstatt also rund drei Jahre mit
etwa 20 Mann Besatzung arbeitete.
Billig war es bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu
haben, das Wort Gottes: Ein Schreiber mußte
dafür mehrere Jahre arbeiten, um eine Kopie
herzustellen; er selbst hätte vier
Jahreseinkommen aufbringen müssen, um sich
wiederum eine gedruckte Gutenberg-Bibel leisten
zu können. Kuriosität am Rande: die akurate
Schrift der Berufsschreiber empfinden wir heute
"wie gedruckt".
Gutenberg wollte vor fast 550 Jahren genau das
Gegenteil: einen Druck, so schön wie von Hand
geschrieben!
Ihm standen in den Mainzer Klosterbibliotheken
und Kirchen eine ganze Reihe Bibeln als Vorlage
zur Auswahl. Er entschied sich für ein Exemplar,
dessen Schriftbild sehr eckig ausgeprägt war
("Mönchsschrift"). Um aber den
lebendigen Zug der Handschrift mit dem starren
Setzmaterial einfangen zu können, waren damals
weitaus mehr Drucktypen als die bekannten 26
Buchstaben des Alphabetes nötig. Die Schreiber
bedienten Abkürzungen, die nach feststehenden
Regeln verwendet wurden, oder sie benutzten im
Anschluß an die aufwendigen Anfangsbuchstaben
besondere Gestaltungen, um der Schrift eine
größere Flüssigkeit zu geben. So gossen die
Mitarbeiter Gutenbergs also ingesamt 290
verschiedene Zeichen: brauchten sie z.B. mehr
Platz in einer Zeile, so zeigten sie durch einen
waagrechten Strich über einem Buchstaben den
Ausfall eines eigentlich folgenden "m"
oder "us" an. So wurde aus
"dominus" verkürzt "dus".
Heute rechnet man mit etwa 30 in der
Gutenberg-Werkstatt auf Pergament gedruckten
Bibeln, weitere 150 wurden anscheinend auf
handgeschöpftem Papier aus Italien gedruckt.
Nur wenige der heute noch ganz oder teilweise
erhaltenen Gutenberg-Bibeln, insgesamt 49 Stück
weltweit, besitzen den originalen Einband aus
Kalbsleder.
Eine der beiden im Gutenberg-Museum in Mainz
ausgestellten Bibeln, die 1925 aus dem Bestand
der Grafen Solms zu Laubach in Hessen in das
Museum kam, hat noch einen der seltenen
originalen Mainzer Stempeleinbände aus dem 15.
Jahrhundert.
Leider ist der größte Teil der einst 180
Bibeldrucke Gutenbergs im Laufe der Jahrhunderte
in Kriegen zerstört, als Aktendeckel und
Schmierpapier verarbeitet worden oder einfach
durch Vernachlässigung von Mäusen oder Schimmel
gefressen worden.
Der letzte Besitzerwechsel einer Gutenberg-Bibel
bedeutete mehr als acht Millionen Mark Umsatz.
U. Reher /
K.M. Wustrack
Abbildungsvorschläge:


|