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Über
München und Offenbach in die Welt
Die
Erfindung der Lithographie vor 200 Jahren
Von der Lithographie zum Offsetdruck
"Not macht
erfinderisch" sagt das Sprichwort, und
finanzieller Not verdanken wir die Erfindung
eines Druckverfahrens, das vor 200 Jahren aufkam
und schnell den traditionellen Verfahren des
Hoch- und Tiefdrucks Konkurrenz machte: Die
"Lithographie" (Flachdruck).
Alois Senefelder (1771 - 1834), Jurastudent mit
Hang zur Schriftstellerei, suchte einen Weg,
seine eigenen Theaterstücke möglichst preiswert
vervielfältigen und verkaufen zu können. Eine
eigene Druckpresse und Typenmaterial konnte er
sich nicht leisten, und so suchte er nach einer
alternativen Drucktechnik. - Heraus kam der
"Druck von Steinen".
Wann ihm die Idee dazu kam und wann er das erste
Mal seine eigene Druckpresse in Bewegung setzte,
wissen wir nicht. Auf jeden Fall erschien der
Liedtext "Brand von Neuötting" im Jahr
1797, vermutlich das erste Werk, das mit der
neuen Technik hergestellt wurde.
Senefelder selbst taufte seine Erfindung
"Chemische Druckerey", bekannt wurde
sie aber unter dem noch heute geläufigen Namen
"Lithographie" (grch.: "lithos =
Stein; "graphein" = schreiben).
Der Grundgedanke ist einfach und revolutionär
zugleich: Muß man zum Drucken unbedingt Texte
und Bilder als Relief in eine Druckform
einarbeiten oder geht es nicht auch mit einer
"flachen" Druckform?
Senefelder kam zum ersehnten Ziel, weil er sich
einen natürlichen Vorgang zunutze machte: Wasser
und Fett stoßen sich ab! Also präparierte er
eine völlig plane Steinplatte, so daß er die
gewünschten Schriftzüge und Bildmotive
seitenverkehrt mit fetthaltiger Kreide oder
Tusche direkt auf den Stein auftragen und
anschließend mit Wasser befeuchten und
festthaltige Farbe aufbringen konnte. Die Farbe
blieb natürlich nicht auf der nassen Oberfläche
des Steins haften, wohl aber im Bereich der
fetthaltigen Striche seiner Zeichnung!
Die Zahl der Abzüge war prinzipiell unbegrenzt
und ihre Wiedergabe im Detail sehr fein und
genau.
Den am besten geeigneten Stein fand Senefelder in
den Kalkschieferbrüchen bei Solnhofen. Sie sind
heute vor allem noch wegen ihrer weltberühmten
Fossilien bekannt.
Seine Erfindung
nutzte Senefelder zunächst, um Notenmaterial
seines Geldgebers, des Hofmusikers Gleißner zu
drucken.
Sehr schnell erkannte der Offenbacher
Musikalienverleger André die Möglichkeiten des
neuen Verfahrens, schloß mit Senefelder einen
Vertrag und verhalf so der Lithographie zum
Siegeszug durch die Welt.
Schon bald entstanden Druckereien für
Lithographie im Ausland, und Senefelder selbst
gab in Aufsätzen und Büchern Empfehlungen,
welche Art von Drucksachen er für die
Lithographie als geeignet erachtete: Schriften,
Noten, Landkarten, Tabellen und Zirkularien -
also Gebrauchsgraphik - und Reproduktionen von
Kunstwerken.
Die künstlerische Graphik, die wir heute in der
Regel mit der Lithographie in Verbindung bringen,
kam erst Jahrzehnte später auf.
Senefelders langfristiger Erfolg war drei
Vorteilen zu verdanken: Der Haltbarkeit der
Druckform (Stein), außerordentliche
Geschwindigkeit in der Bearbeitung der Druckform
selbst und damit der Preisvorteil gegenüber den
herkömmlichen Druckverfahren.
Es konnten keine empfindlichen Druckformen
beschädigt werden, die Druckform war schnell und
leicht durch einfaches, aber seitenverkehrtes
Zeichnen herzustellen, die Auflagen waren hoch,
und man konnte den jeweiligen Stein für andere,
weitere Drucke nutzen, indem man einfach die
schon bearbeitete, nicht mehr benötigte Schicht
abtrug!
Technische
Verbesserungen wie farbiges Drucken
(Chromolithographie) und bessere Pressen folgten,
so daß sich bald bloß noch eine entscheidende
Frage stellte: Wie konnte man die schweren
Steinplatten durch leichteres Trägermaterial
ersetzen?
Die Antwort kam 1834: Zinkplatten. Über diese
Stufe erfolgte 1846/47 die Erfindung des
Offsetdruckes, bei dem dünne Metallplatten
gebogen und dann auf einen Zylinder aufgespannt
werden. Der in der Druckmaschine rotierende
Zylinder ermöglichte noch einmal eine Erhöhung
der Druckgeschwindigkeit und ebnete den Weg zu
unseren modernen Druckstraßen, die im
Minutentakt Tausende von Zeitungs- und
Zeitschriftenexemplaren ausspucken - Dank
Senefelder.
Team "Mainz. Gutenberg 2000"
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