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Was für eine Type Die Erfindung der beweglichen Lettern ermöglichte Zeitungen
Morgens die Zeitung aufzuschlagen, um sich beim
Frühstück, in der Straßenbahn oder im Bus über die Neuigkeiten des eigenen Ortes, der
Region, ja der ganzen Welt zu informieren, ist seit Generationen eine
Selbstverständlichkeit.
Seit mehr als 100 Jahren, seit der Verknüpfung des modernen Zeitungsdrucks mit der
wichtigsten Errungenschaft der Kommunikationstechnik, dem Telegraphen, sind die
Nachrichten der Welt im Prinzip innerhalb einer Nacht transportabel und
vervielfältigungsfähig geworden.
Die Zeitung am Morgen gehört zu den Selbstverständlichkeiten unserer modernen
Zivilisation wie der elektrische Strom, fließendes Wasser oder das Radio. Man würde
diese Selbstverständlichkeiten nur registrieren, wenn sie fehlten: Der berühmte
Stromausfall von New York oder ein Wassernotstand können an die fragile Empfindlichkeit
dieser Systeme erinnern. Wie groß war die Verblüffung, als durch Druckerstreik und
Tarifkonflikt plötzlich die gewohnte Stärke der Tageszeitungen auf
"Notausgaben" zusammenschrumpfte.
Die Tageszeitung gehört zu den Produkten, die für wenig Geld zu haben ist und die ein
Heer von Journalisten, Redakteuren, Drucktechnikern, Lieferanten und Verkäufern
voraussetzt - um ein Grundbedürfnis zu befriedigen: das Bedürfnis nach möglichst
aktueller, aber überdachter und redaktionell bearbeiteter Information.
Dabei reicht die Druckerpresse allein natürlich noch nicht
aus, um die lesende Bevölkerung auf dem Laufenden halten zu können. Es dauerte von der
Erfindung Gutenbergs Mitte des 15. Jahrhunderts bis ins frühe 17. Jahrhundert, bis die
erste Zeitung erschien: Im Jahr 1605 ersuchte der Straßburger Drucker und Buchhändler
Johann Carolus den Rat der Stadt um ein Privileg für die Herstellung gedruckter
Zeitungen. Vorläufer hatte es schon gegeben: Drucke aus einem Blatt, Flugschriften und
sogar handgeschriebene Nachrichtenbriefe (durch Diplomaten, Sekretäre oder Hofbeamte)
oder "Avisen", die gegen Bezahlung an einen begrenzten Abonnentenkreis
weitergeleitet wurden.
Die meisten Einblattdrucke führten interessante Themen wie Hinrichtungen, Plünderungen
und Kriegsscharmützel oder Krönungen oder vermeintlich wunderbare Naturerscheinungen vor
Augen. Vor allem Bilder waren gefragt: Holzschnitt oder Kupferstich, häufig mit
Schablonen noch grell koloriert. Ein begleitender Text als Kommentar war aber schon die
Regel. Dabei lagen zwischen dem Zeitpunkt des Ereignisses und der Verbreitung der
Nachricht nach unserem Empfinden erhebliche Zeitspannen. Erst einmal mußten die Meldungen
von Handwerkern in Holzstöcke oder Kupferstiche umgesetzt werden. Vom Druck bis zur
Auslieferung an die interessierten (damals noch sehr kleinen) Leserkreise verging
ebenfalls noch einmal viel Zeit. Und schneller als ein Pferd laufen kann, ließen sich
Nachrichten nun einmal nicht verbreiten!
Eine Monopolstellung nahmen die Postmeister ein, die Nachrichten aus ihrem Amtsbezirk in
die Begleitschrift zur versiegelten Post einfügten und zum Teil selbst gefertigte Kopien
an Abonnenten verkauften. So entwickelte sich im 16. Jahrhundert eine professionelle
Zeitungsschreiberei, wobei das Wort "Zeitung" erst einmal nichts als Neuigkeit
bedeutete.
Mit dem Aufbau eines einigermaßen zuverlässigen Postsystems im 17. Jahrhundert war die
Stunde der Drucker gekommen: Nun konnten die einige hundert Personen umfassende
Leserschaft regelmäßig bedient werden. Anfänglich erschienen die Post-Zeitungen nur
einmal die Woche. Aber der Ausbruch des 30jährigen Krieges ließ den Informationsbedarf
drastisch steigen.
Dabei ging man stillschweigend davon aus, daß - wie heute noch bei Lesezirkeln und bei
Friseur und Arzt oder im Café üblich - die Zeitungen durch mehrere Hände gingen und
mehrfach gelesen wurden. Die erste richtige Tageszeitung erschien 1650 in Leipzig: Die
"Einkommenden Zeitungen" des Thimotheus Tritzsch wurden sechsmal wöchentlich
gedruckt.
Die Flut der Tageszeitungen aber begann erst mit der Erfindung der Schnell- und der
Rotationspresse im 19. Jahrhundert.
Team "Mainz. Gutenberg 2000"
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