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Pressedienst "Gutenberg 2000"/September 1997

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Übersicht der Abbildungen



Gutenberg 2000

"Gutenberg 2000"
 von Mimmo Rotella:
Gutenberg-Museum erhält bleibende Erinnerung an das Jubiläumsjahr


November 1999


Hohe amerikanische Auszeichnung für Gutenberg-Museum in Mainz

Mainzer Gutenberg-Bibeln werden digitalisiert -
Kooperation mit japanischer Universität


Gutenbergfeiern und Gutenbergdenkmäler in den Jahrhunderten



September 1997:

Lithographie-Handpresse aus
der Jugendstil-Zeit gespendet
.

Experimente im mittelalterlichen Mainz

Ein Blick zurück in die Zukunft

Schwarze Kunst im Zeitalter der audiovisuellen Medien

Gutenberg-Bücher

Was für eine Type

"As Times goes by"

Gutenbergs unbekannte Brüder

Über München und Offenbach in die Welt

"Wir rotieren für Sie"

Gutenberg-Bibel

Von Jungfrauen, Mönchen und Hurenkindern

Der stille Held der Drucker

Von Mainz in die Welt

Delegation aus dem Reich der Mitte

Sensationeller Fund am Ende des Jahrhunderts

Gutenberg digitalisiert

Gutenberg auf der Spur

Gutenberg 2000 - Jubiläum zur Jahrtausendwende

Roman Herzog: Schirmherr für "Mainz. Gutenberg 2000"


























Experimente im mittelalterlichen Mainz

Die abenteuerliche Biographie des Johannes Gutenberg und seine Erfindung

Die nüchternen Daten klingen nicht eben spannend: Zwischen 1394 und 1404 geboren, 1420 zum erstenmal aktenkundig, 1436, 1439 und 1455 Prozesse vor Gericht, 1465 "Hofmann" des Mainzer Bischofs, 1468 in Mainz gestorben. Noch nicht einmal sein authentisches Aussehen ist bildlich überliefert.
Aber die Lebensgeschichte dazu birgt alles, was ein guter Roman braucht: Edle Herkunft (Patriziersohn), vielleicht Studentenleben (Studium in Erfurt), Anklage wegen Heiratsschwindel (eine Affäre in Straßburg) samt Prozeß, ein Schuldenprozeß, erfolgreicher Erfinder, unglücklicher Geschäftsmann (Konkurs unter Verlust der Firmeneinrichtung), Schöpfung des "schönsten Buches der Welt" (die Gutenberg-Bibel), schließlich Flucht aus der eroberten Vaterstadt Mainz ins Exil, Rückkehr und ehrenvolles Altenteil, anerkannt als der Erfinder des Buchdrucks.

Und es finden sich Schlüsseljahre und Schlüsselereignisse, die einen genaueren Blick lohnen:
Als der fast vierzigjährige Gutenberg mit Partnern in Straßburg eine Firma aufmacht, um Pilgerspiegel für Wallfahrer auf dem Weg nach Aachen herzustellen, die damit die heilbringenden Strahlen von Reliquien einfangen wollen, produziert er zum ersten Mal seriell und in Massen. Seine Grundlage: Serienguß mit einer Zinnlegierung.
Darauf aufbauend verfolgt er im geheimen ein Projekt mit einer Presse und einer zerlegbaren "Form" - mehr ist den Prozeßakten, die in Straßburg darüber angefertigt wurden, nicht zu entlocken. Heute denken die Forscher, daß es dabei wohl schon um Experimente zum Buchdruck ging.
Als er ab 1448 wieder in Mainz wohnte, da konnte er es bereits: drucken!
Es war doch ganz einfach! Die Kombination von Stempel, Papier und Weinpresse - aber er war darauf gekommen, ihm war der geniale Gedanke der Verknüpfung all dieser Dinge gekommen.

Technik der Zukunft - Am Anfang des Medienzeitalters

Für jeden Klein- und Großbuchstaben und alle anderen Zeichen stellte er jeweils ein Metallstäbchen aus hartem Eisen her, das am oberen Ende den Buchstaben seitenverkehrt und erhaben herausgearbeitet zeigte.
Diese "Urtypen" prägte er mit einem Hammerschlag in ein rechteckiges Plättchen aus weichem Metall, vermutlich Kupfer. So erhielt er beliebig viele Negativ-Matrizen seiner Urform, aus denen er nach Bedarf in einem von ihm ebenfalls neu entwickelten zweiteiligen Handgießgerät Metalltypen gießen konnte.
Dieses Gießgerät hatte er vermutlich aus Messing hergestellt, damit es die 300 Grad heiße Legierung aus Blei, Zinn und kleinen Mengen Antimon unbeschadet überstehen konnte.
Die Bleitypen, die später zum Drucken verwendet wurden, mußten nach dem Erkalten sehr hart sein, um sich nicht allzu rasch abzunutzen.
Vorsortiert in Kästen, stellte der Setzer mit Hilfe eines Winkelhakens, den er in der linken Hand hielt, mehrere Zeilen eines Textes aus den Bleitypen zusammen, gab diese fertigen Zeilen dann nacheinander auf ein Holztablett (Satzschiff), das am Ende eine ganze Seite aufnahm.
Dieses Tablett gab der Setzer auf das Fundament, Teil des "Karrens" der Druckerpresse.
Dort trat der "Ballenmeister" in Aktion, der zwei mit Roßhaar gefüllte Ballen in der Hand hielt. Auf die beiden Ballen gab er möglichst gleichmäßig Druckerschwärze und rollte sie dann auf der Satzform ab, so daß sie nahezu gleichbleibend eingefärbt wurde. Im gleichen Moment spannte der zweite Drucker einen Papierbogen mit Hilfe der Markierungsnadeln auf eine exakt bezeichnete Stelle des aufklappbaren Deckels.Dann klappte er den Deckel zu und der Bogen lag direkt auf der eingefärbten Satzform auf.
Dank der großen Schraube oder Spindel mit einer Preßplatte (Tiegel), die durch Drehen des "Bengels" (Querholz) nach unten gesenkt werden konnte, wurde das eingespannte Papier mit großem Druck auf die Satzform gepreßt.
Als Vorlage für diese Presse diente wahrscheinlich eine Wein- bzw. Papierpressen.
Nach dem Druckvorgang wurden die Papierbögen (Doppelseiten) zum Trocknen aufgehängt und später mit den anderen Bögen des zukünftigen Buches zu "Lagen" sortiert.

Damals verließen die Bücher noch ungebunden die Werkstatt des Druckers, damit der Käufer sie individuell mit bunten Farben von Hand ausmalen lassen konnte; erst dann trat der Buchbinder in Aktion.
Bei "anspruchsvollen" Büchern wurden die Buchstaben nicht gesetzt, die später rot erscheinen sollten, und die Initialen - das waren Fälle für die althergebrachte Handarbeit der Schreiber.

Gutenberg bewältigte mit seiner Art der Druckerpresse ein für ihn äußerst wichtiges Problem, (das wir ihm aus heutiger Sicht gar nicht unterstellen würden): Es gelang ihm mit dieser Art der Buchherstellung, noch schönere Bücher herzustellen als die besten Schreiber. Dabei kam es unter anderem bei der Produktion der Bibel an: Ein absolut ausgewogenes Schriftbild, besser als von Hand je herstellbar. Es dauerte auch nicht lange, bis die Entwicklung der Drucktypen sich ganz von den verschiedenen Handschriften löste und eine eigene Lesekultur begründete: Das Lesen normierter, in sich immer gleicher Zeichen.
Die logistischen Probleme konnte Gutenberg nur mit fremder finanzieller Hilfe lösen: Geheimhaltung über Jahre - Gebrauchsmuster- und Patentschutz gab es noch nicht -, Werkstattraum, zuverlässiges Personal (Schriftgießer, Setzer und Drucker), die erst einmal mit der Erfindung vertraut gemacht werden mußten, und Unmengen von Papier und Metall.

Die Bibel und die Pleite

Vermutlich hat Gutenberg mit ganz profanen Aufträgen begonnen: Gefragt waren damals Grammatiken für den Lateinunterricht, Flugblätter und aktuelle Bekanntmachungen. Sein erstes großes Werk war die berühmte, in 42 Zeilen pro Seite gesetzte Bibel, die zwischen 1452 und 1455 entstand. Etwa 20 Mitarbeiter, stellten an vier bis sechs Druckerpressen 180 Exemplare mit jeweils 1282 Seiten her.

Exil und Alter

Das Geld, das sich Gutenberg für diesen selbstgestellten Mammutauftrag geliehen hatte, wurde für ihn zum Stolperstein. Im Gerichtsstreit mit seinem Finanzier verlor er die Druckerei samt einem Teil der fertiggestellten Bibeln.
Daraus entstand in Mainz die zweite Druckerwerkstatt der Welt, die Offizin von Fust und Schöffer.
Gutenberg selbst arbeitete anscheinend in seiner ersten Druckerei auf eigene Rechnung weiter.
Der zweite Schicksalsschlag ereilte ihn 1462, als im Machtkampf um die Besetzung des Erzbischofsstuhles in Mainz die Stadt gewaltsam eingenommen und viele Bürger ins Exil gezwungen wurden. Dazu gehörten auch Gutenberg und seine Gehilfen. Er selbst durfte einige Zeit später wieder zurückkehren; viele seiner Mitarbeiter aber wanderten dauerhaft in andere Städte ab - und verbreiteten damit unwiderruflich die Kunst des Buchdrucks über ganz Europa und die Welt.
Gutenberg starb wenig später im Jahr 1468 als angesehener Bürger von Mainz und als "Hofmann" des neuen Erzbischofs.


Team "Mainz. Gutenberg 2000"


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